„Hilfslehrer auf Pfoten“

Die Viertklässler der Borsigwalder Grundschule mit Klassenlehrerin Martina Baumann und Schulhund Chaplin. Die Viertklässler der Borsigwalder Grundschule mit Klassenlehrerin Martina Baumann und Schulhund Chaplin. Foto: star

Borsigwalde – Brotbüchsen werden aufgeklappt, Rufe hallen von Tisch zu Tisch, es wird gekichert, erzählt, gekreischt. Die Viertklässler der Borsigwalder Grundschule machen Pause. Da kann es schon mal laut werden. Bis Chaplin an der Seite von Martina Baumann ins Zimmer tappt. Nur kurz blickt der neunjährige Hovawart-Bordercollie-Mix freundlich in die Runde. Augenblicklich senkt sich der Geräuschpegel – ohne dass Klassenlehrerin Baumann ihre Zöglinge ermahnen muss. Die wissen längst, dass Hunde Geräusche viel intensiver wahrnehmen als das menschliche Ohr. Krach bedeutet für den Hund Stress. Und „ihr Chappie“, da ist sich die Klasse einig, soll sich mit ihnen wohlfühlen. Immerhin besucht er die Schule täglich. Seit fast sieben Jahren ist Chaplin aus der Borsigwalder Schule mit ihren 420 Kindern nicht mehr wegzudenken.

Weder sei er allerdings ein „süßes Maskottchen“ noch ein Dauerkuscheltier, sondern ein Tier im besonderen Einsatz, ein regulärer Schulhund, betont Halterin Baumann. „Die Schüler haben als Erstes gelernt, Rücksicht zu nehmen, beispielsweise Unrat im Flur in den Mülleimer zu werfen, damit Chaplin sich nicht den Magen verdirbt.“ Der weiß sich zu bedanken. Nur ein kurzer Fingerzeig der Lehrerin genügt, damit ihr Hund sich neben den Tisch eines aufgeregten Kindes setzt. Schnell streicheln kleine Hände über das weiche blonde Fell, schon fällt Lars, Luise, Fabian, Julie oder Lukas das Lösen der schwierigen Matheaufgabe viel leichter.

Nach Angaben des Arbeitskreises Schulhund werden aktuell bundesweit an rund 500 Schulen die „Hilfslehrer auf vier Pfoten“ eingesetzt. „Längst wurde in Untersuchungen nachgewiesen, wie positiv sich die Anwesenheit eines Hundes auf Schüler auswirkt“, erklärt Baumann. „Sie bauen Bindungen zum Tier auf, werden ruhiger, konzentrierter, ordentlicher, selbstbewusster, integrieren sich besser in der Gemeinschaft, lernen Verantwortung zu übernehmen“, zählt die Pädagogin auf. Auch der Lehrstoff verschiedener Unterrichtsfächer könne mit Bezug auf den Schulhund interessanter gestaltet werden. Gerade bastelt Baumann an einer eigenen Hundeschulbox für verschiedene Altersgruppen - mit Rechenaufgaben über die Kosten der Hundehaltung (Mathematik), Bildtafeln über den Körperaufbau von Hunden (Naturwissenschaften) oder Büchern mit Geschichten über das Schicksal eines ausgesetzten Hundes (Deutsch).

Von der Beliebtheit ihres Hundes profitiert auch sie: „Chaplin verdanke ich es, dass ich seit Jahren zur Vertrauenslehrerin gewählt werde.“ Der besondere Pluspunkt: „Weil der Hund eher auf Zeichen als auf eine Sprache reagiert, hatte ich sofort Zugang zu unseren Willkommensklassen“, berichtet sie von ihrer Arbeit mit Flüchtlingskindern. Und das, obwohl Kinder aus dem muslimischen Kulturkreis üblicherweise ein distanziertes Verhältnis zu Hunden mitbringen. Davon sei im Umgang mit Chaplin nichts zu spüren.

Noch wird der Einsatz von Schulhunden von den Bundesländern unterschiedlich geregelt. „In NRW wird er wie ein Angestellter behandelt.“ Auch wenn es um die Übernahme von Kosten geht. Die müssen in Berlin vom Halter getragen werden – sei es für die Versicherung, den Gesundheitscheck oder die obligatorische Ausbildung. Für Baumann kein Problem. „Ich sehe den Gewinn, den Chaplin mir und der Schule bringt.“ Was die Pädagogin allerdings anregt: Das Augenmerk nicht nur auf die Eignung des Tieres zu richten, sondern auch auf den Halter. „Nicht jeder bringt die Voraussetzungen  mit“, warnt sie. Erfahrungswerte, die sie aus ihrer langjährigen Mitarbeit im Arbeitskreis Schulhund gewonnen hat. „Als ich mich auf das Thema Schulhund einließ, hatte ich bereits etliche Jahre pädagogischer Praxis hinter mir und konnte mich deshalb viel entspannter auf die neue Herausforderung einstellen“, berichtet sie. Denn scheitert das Experiment Schulhund, weil Tier oder Lehrer überfordert sind, kann das Tier ja nicht einfach „ad acta“ gelegt werden.

Auch Baumann hat schon Lehrgeld bezahlt. „Um Chaplin im Job zu entlasten, habe ich mir vor einigen Jahren zusätzlich eine Australian-Shepard-Hündin angeschafft.“ Nur habe die sich mit ihren Hüteeigenschaften bald als ungeeignet für den Schulhund-Posten erwiesen. „Natürlich ist sie bis heute Teil meiner Familie.“ Baumanns Rudel ist dadurch allerdings noch weiter angewachsen: Denn nach entsprechender Ausbildung soll nun Welpe Lucky Chaplin entlasten und in dessen „Pfotenstapfen“ treten. „Immerhin soll Chaplin auch einmal in den Genuss des Ruhestandes kommen.“ Denn den habe er sich redlich verdient. star

Letzte Änderung am Mittwoch, 25 Januar 2017 09:27

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Erfolg beim Schülerwettbewerb

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