Wetterextreme nehmen zu

Der Wetterfachmann ist auch Luftfahrtexperte. Der Wetterfachmann ist auch Luftfahrtexperte. Foto: ks

Tegel – Peter Günsel hat das Reinickendorfer Wetter immer fest im Blick. Wenn er am Nachmittag von seinem Balkon in den Tegeler Himmel schaut, wagt er eine Prognose für den kommenden Tag. „Ich sehe mir die Wolken an und weiß, was morgen wird“, sagt der 66-Jährige selbstbewusst. Es mag eine Mischung aus Bauchgefühl und Erfahrung sein, die ihn zu den Vorhersagen veranlasst. Kann der Außenstehende sein Gefühl nur schwer einschätzen, die Routine spricht für den Hobbymeteorologen. Schließlich hat sich Günsel über Jahrzehnte berufsmäßig mit dem Wetter beschäftigt. Lange Zeit arbeitete er als Fluglotse auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Zudem besitzt er die Berufspilotenlizenz, macht auch heute noch Vermessungsflüge, unterrichtet als Fachlehrer an der Flugschule Strausberg.

Allein auf den fachmännischen Blick nach oben will sich der Experte aber doch nicht verlassen. Günsels Wetterstation in seiner Wohnung nahe dem Waidmannsluster Damm, die er vor annähernd 15 Jahren installiert hat, bietet ihm gesicherte Daten. Es werden Temperatur, Luftdruck, relative Luftfeuchte, Regenmenge, Schneehöhe, Helligkeit und Sonnenstunden erfasst. Auf dem Dach gibt es einen Windmesser für die Windstärke. Alles läuft über Funk an einen Empfänger, der wiederum mit einer speziellen Software in seinem Rechner verknüpft ist. Selbst wenn der Rechner nicht mehr die neueste Version ist, so funktioniert doch alles prima. „Seit 2003 habe ich den Computer nie ausgeschaltet, er ist rund um die Uhr in Betrieb“, so erzählt Günsel nicht ganz ohne Stolz. Noch nie hätte die Technik einen Aussetzer gehabt.

Die Analyse der erhobenen Messwerte bringt interessante Fakten ans Licht. So konstatiert die Statistik dem zwölften Berliner Verwaltungsbezirk den wenigsten Regen im Vergleich zu den anderen Stadtteilen. Das Urstromtal im Verlauf der Spree bildet eine Art Wetterscheide, weiß der Klimafachmann zu berichten. Trotzdem gibt es hin und wieder Ausnahmen, wie zuletzt am 12. Januar 2017. 99,4 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen an diesem Tag im Bezirk. Dies ist mehr als sonst in einem ganzen Monat zusammen. Die regenreichste Zeit liegt allerdings fast immer im Sommer, der Juli belegt mit durchschnittlich 103 Litern auf den Quadratmeter die unangefochtene Spitzenposition. Im ganzen Jahr kommen übrigens im Schnitt rund 716 Liter zusammen.

Bemerkenswert und beunruhigend zugleich findet Günsel die spürbare Erwärmung. Dies trifft auch für Berlin im Allgemeinen und für Reinickendorf im Speziellen zu. So registriert die Station im vergangenen Jahr 139 warme Tage über 20 Grad sowie 65 Sommertage über 25 Grad Celsius. Dies bedeutet in beiden Fällen Spitzenwert seit Beginn der Aufzeichnungen 2003. Die Durchschnittstemperatur von zuletzt 11,36 Grad ist die höchste seit 2007. Der Mittelwert der letzten 15 Jahre liegt bei 10,67 Grad. Die höchste Tages­temperatur datiert vom 11. Juli 2010, auf 37,6 Grad steigt damals das Thermometer. Der 20.Dezember 2009 hält den bisherigen Kälterekord mit 18,9 Grad im Minusbereich.

„Das Wetter verändert sich zusehends“, ist sich Günsel mit vielen Klimaforschern einig. Extremsituationen würden mehr und mehr auftreten. „Es gibt schon jetzt kaum noch Übergänge, keine richtigen Frühling oder Herbst mehr“, erläutert der private Wetterkundler. Die guten, alten Bauernregeln würden schon gar nicht mehr passen. Eine frohe Botschaft für die Leser hat der Wetterfrosch – wie man ihn scherzhaft durchaus bezeichnen darf – dann doch noch: „Es besteht für das Jahr 2017 eine große Wahrscheinlichkeit eines frühen und langen, heißen Sommers“, macht Günsel allen Sonnenhungrigen Mut. Als Grund seiner Annahme nennt er die Wetterprofile, die sich alle sechs bis sieben Jahre wiederholen würden.

Alle Zahlen, Daten und Fakten der Tegeler Wetterstation sind auf einer eigenen, ständig aktualisierten Internetpräsenz veranschaulicht, sie lautet www.wetter-berlin-online.de. Täglich klicken etwa 50 Nutzer die Seite an, manchmal sogar bis zu 100. Zu ihnen zählen beispielsweise Anwohner aus der Umgebung, Wassersportvereine und sogar Universitäten. Der Betreiber legt wert auf die Feststellung, dass die erhobenen Daten nur zum privaten Gebrauch geeignet sind, keine verbindliche oder rechtliche Relevanz besitzen. ks

Letzte Änderung am Freitag, 05 Mai 2017 08:52

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Ein tierisches Sommerfest

Reinickendorf – Die Vereine „Tiere suchen Freunde“ und „Lupo’s Spürnasen“ laden am 18. Juni von 11 bis 17 Uhr zum gemeinsamen Sommerfest ein. Gäste mit Haustieren sind herzlich in der Seidelstraße 64 willkommen. Hundebesitzer können mit ihren Tieren an einem Geschicklichkeits-Parcour teilnehmen – hier werden die drei besten Teams mit Preisen belohnt. Außerdem können alle anderen Haustiere beziehungsweise ihre Besitzer am Fotowettbewerb teilnehmen. Einige Mitglieder des Vereins Lupo’s Spürnase, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, werden anlässlich dieses Jubiläums mit ihren Hunden ihr Können zeigen. Neben tierbezogenen Verkaufsständen stehen auch Informationen verschiedener anderer Tierschutzorganisationen bereit.