Altersgerechte Wohnung im MV

Birgit Wilkes und Albert Premer (M.) demonstrieren, wie die technischen Assistenzssysteme im Schlafzimmer der Musterwohnung funktionieren. Stadtrat Uwe Brockhausen (l.) hört interessiert zu. Birgit Wilkes und Albert Premer (M.) demonstrieren, wie die technischen Assistenzssysteme im Schlafzimmer der Musterwohnung funktionieren. Stadtrat Uwe Brockhausen (l.) hört interessiert zu. Foto: star

Märkisches Viertel – Frank Druska ist überzeugt: „Die Leute wollen in ihren eigenen vier Wänden alt werden, nicht im Pflegeheim.“ Damit das möglich ist, hat die Gesobau zusammen mit der AOK Nordost vor gut zwei Jahren das bis 2018 laufende Pilotprojekt Pflege@Quartier aus der Taufe gehoben. „Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft. Wir haben die Chance auf ein langes Leben, brauchen im Alter aber oft Unterstützung“, sagt Druska, der das Modellprojekt bei der Gesobau leitet. Wie diese Unterstützung aussehen kann, ist in der altersgerechten Musterwohnung in der Finsterwalder Straße 27 zu sehen, die im Mai eröffnet wurde. „Demnächst wollen wir 30 Wohnungen im Märkischen Viertel nach diesem Vorbild ausstatten“, sagt Druska.

Kaum hat Druska die Zweizimmer-Wohnung aufgeschlossen, wird es hell im Flur. „Das Willkommenslicht geht automatisch an, damit der Bewohner nicht im Dunkeln tappt, wenn er die Wohnung mit Rollator oder bepackt mit Einkaufstüten betritt.“ Nicht die einzige Licht-Finesse: „Morgens ist die Wohnzimmer-Beleuchtung eher ein wenig blau, zum Abend hin wird sie leicht rötlich“, erklärt Albert Premer. Blau wirkt aktivierend. Rot ist beruhigend. „Das unterstützt den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus“, so der Geschäftsführer der escos automation GmbH, verantwortlich für die technische Ausführung der Hilfssysteme. Im Schlafzimmer schaltet sich automatisch eine Bodenbeleuchtung an und weist den Weg, wenn der Bewohner nachts zur Toilette muss.

Nach dem gleichen Prinzip werden andere Geräte automatisch abgeschaltet. Wie der Herd, wenn die Suppe länger nicht umgerührt wurde. „Ein Sensor erkennt, wenn niemand mehr vorm Herd steht“, sagt Premer. Vielleicht, weil der Mieter nur mal kurz ins Wohnzimmer gehen wollte und gestürzt ist. In dem Fall schrillen auch bei Angehörigen, Nachbarn oder beim Pflegedient die Alarmglocken. Denn die ganze Wohnung ist mit Sensoren zur Sturzerkennung ausgestattet. „Ganz unauffällig“, sagt Birgit Wilkes, Leiterin des Instituts für Gebäudetelematik an der Technischen Hochschule Wildau. Die Professorin hat die Konzeption für die Musterwohnung entwickelt – und weiß, „dass solche technischen Hilfsmittel einfach nur funktionieren sollen, der Mieter sie aber nicht sehen will“. Ältere Leute würden sich eine Wohnung wünschen, die auf sie aufpasst. Deswegen hat sie in der Musterwohnung Schubladenmelder anbringen lassen. „Angenommen, Ihnen geht es nicht gut und Sie bleiben im Bett liegen“, schildert Wilkes ein Szenario. „Um sicher zu stellen, dass Bewohner in so einer Situation nicht alleine gelassen werden, helfen Sensoren an Stellen in der Wohnung, an denen sie sich täglich aufhalten. Oder an Möbeln und Dingen, die sie täglich nutzen“, erklärt sie. „Werden diese Dinge dann plötzlich nicht genutzt, geht automatisch eine Meldung raus.“

Sozialstadtrat Uwe Brockhausen ist beeindruckt vom Projekt. „2030 wird jeder zweite Reinickendorfer über 65 Jahre alt sein. Das erfordert enorme Anstrengungen, um bedarfsgerechte Wohnungen zur Verfügung stellen zu können“, sagt der SPD-Politiker. Das Modellprojekt Pflege@Quartier biete „eine Lösung, die hoffentlich ausstrahlt“. Pflege@Quartier wird gefördert vom GKV-Spitzenverband im Rahmen eines Modellprogramms zur Entwicklung neuer Wohnformen für Senioren. star

Letzte Änderung am Montag, 29 Mai 2017 07:45

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Meldungen kurz & knapp

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Gartenseminar 2017: Pflanzenschutz im Mittelpunkt

Reinickendorf – Im Rahmen der Gartenseminare 2017 des Bezirksverbandes der Kleingärtner Reinickendorf e.V. findet am 17. Juni um 15 Uhr im Dauerkleingartenverein an der Nordbahn eine Gartenbegehung statt. Bei dieser steht der Pflanzenschutz im Mittelpunkt. Die Begehung ist kostenlos. Gerne können Pflanzen zur Beratung mitgebracht werden. Treffpunkt ist die Kreuzung Lengender Straße/Interessentenweg.

Kleingartenvereine laden zum gemeinsamen Flohmarkt

Reinickendorf/Tegel – Die Kleingartenvereine Gartenfreunde und Am Waldessaum laden am 25. Juni von 9 bis 15 Uhr zum gemeinsamen Flohmarkt, der in der Seidelstraße 12 und 20 stattfinden wird. Für einen Stand kann man sich unter Tel. 0178-8725 999 oder unter 0172 - 3246 987 anmelden.

Aus für Reitstall in Tegel seit Ende Mai

Tegel – Er hat eine lange Tradition, und viele Reinickendorfer, die heute bereits erwachsen sind, können sich sicherlich noch an ihre ersten Reitstunden erinnern, die sie dort ertlebt haben. All das gehört nun der Vergangenheit an: Der Tegeler Reitstall an der Adelheidallee neben dem Schloß Tegel ist bis auf weiteres geschlossen. „Ich kündige heute den Pachtvertrag für die Reithalle, das Stattgebäude und die beiden vorgelagerten Grundstücke in Tegel am Schloß zum Monatsende“, heißt es in einer Nachricht auf Facebook von Reitstall-Inhaber Andreas Frädrich. Trotz verschiedenster Versuche war Frädrich für Nachfragen nicht erreichbar, um weitere Hintergründe in Erfahrung zu beingen.