Villa Powileit im Westen

Hier sind Aufnahmen für „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ entstanden. Hier sind Aufnahmen für „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ entstanden. Foto: star

Frohnau – Die Spuren von fast 40 Jahren Mangelwirtschaft sollten sichtbar sein, das Fehlen von Baumaterialien. Dennoch sollte es ein repräsentatives Gebäude sein. So stellte sich Film-Produzentin Sarah Kierkegaard die Villa des Funktionärsehepaares Charlotte und Wilhelm Powileit vor, das 1940 ins mexikanische Exil gegangen und Anfang der 1950er-Jahre in die neu gegründete DDR zurückgekehrte – zwei der Protagonisten in Eugen Ruges Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Das passende Objekt für die Verfilmung der literarischen Vorlage fand die Produktionsfirma in Frohnau, in der Frohnauer Straße.

In seinem 2011 erschienenen Roman erzählt Ruge vom Leben einer Familie in der DDR über vier Generationen, von ihrem Ringen um sozialistische Ideale, von den Folgen der Stalinisierung. Er schildert ihre Desillusionierung, auch ihre Neuorientierung. Film-Produzent Oliver Berben nahm sich gemeinsam mit Kierkegaard als Co-Produzentin des mehrfach preisgekrönten Stoffs an. Fürs Drehbuch konnte er Wolfgang Kohlhaase gewinnen, als Regisseur verpflichtete er Matti Geschonneck. Der hätte in der Rolle des Wilhelm Powileit am liebsten seinen Vater gesehen. Doch der beliebte Schauspieler Erwin Geschonneck starb bereits 2008. „Ich habe lange über die Stellenbesetzung gegrübelt“, sagt Matti Geschonneck. Dann zog er überraschend den prominenten Schweizer Mimen Bruno Ganz aus dem Hut. Für die weiteren Hauptrollen konnten Sylvester Groth, Alexander Fehling, Hildegard Schmahl und Evgenia Dodina engagiert werden. Bei der Berlinale feierte der 100-Minüter am 16. Februar seine Premiere im Zoopalast, im Juni kommt er in die deutschen Kinos.

Die Suche nach dem passenden Drehort sei knifflig gewesen, erinnert sich Kierkegaard. „Auch wenn es vornehmlich um Innenaufnahmen ging.“ Denn: Erzählt wird im Film nur ein einziger Tag – der 90. Geburtstag von Wilhelm Powileit. Eher ein Kammerspiel denn ein Film mit vielen Schauplatzwechseln. Kierkegaard hatte Glück: Ihr Scout stieß in der Frohnauer Straße auf ein denkmalgeschütztes Gründerzeit-Haus. Die genaue Adresse will Kierkegaard nicht preisgeben, aber die ist schnell ausgemacht: Das Haus Winkler, 1911 vom Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg errichtet, ist Schauplatz der Ruge-Verfilmung.

Was für die Location sprach: Die umliegenden Straßen konnten den Filmfuhrpark aufnehmen. „Wir haben versucht, die Anwohner nicht zu stören“, sagt Kierkegaard. Obwohl die Straße mehrfach gesperrt und Parkplatzmöglichkeiten neu geregelt werden mussten. „Der Bezirk ist uns sehr entgegengekommen“, sagt sie. Was ihr am Haus Winkler besonders gefiel: „Dass sich darin noch verschiedene Einrichtungsstile ausmachen lassen.“ Allerdings haben die Filmleute auch einiges neu installiert.

Frohnau ist übrigens schon mehrfach von Filmleuten entdeckt worden. Aktuell hat der US-amerikanische Streaming-Dienst Netflix für seine zehnteilige Mysterienserie „Dark“, in der es um vier Kleinstadt-Familien und ihre Geheimnisse geht, am Edelhofdamm gedreht. Und schon im August 2008 war das „Centre Bagatelle“ Kulisse für zwei Folgen der Serie „Familie Sonnenfeld“ mit Helmut Zierl und Marion Kracht. star

Letzte Änderung am Donnerstag, 30 März 2017 08:34

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Bezirk/Tegel – Ab sofort können in den Reinickendorfer Bibliotheken in Tegel, in Frohnau, im Märkischen Viertel, in Reinickendorf-West und am Schäfersee E-Book-Reader, Modell: tolino vision 3HD, kostenlos entliehen werden. Benötigt wird ein gültiger Bibliotheksausweis, die Leihfrist beträgt 28 Tage, Ausleihe und Rückgabe müssen in der gleichen Bibliothek erfolgen. Hilfestellung bei der Nutzung bietet eine regelmäßig in der Humboldt- Bibliothek, Karolinenstraße 19, stattfindende Sprechstunde, immer am ersten und dritten Donnerstag im Monat von 11.30 bis 13.30 Uhr.

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