Die sechs Dorfkirchen im Bezirk

Beate Hornschuh-Böhm (l.) und Christiane Borgelt vor einem Gemälde der Dorfkirche Alt-Wittenau von Heinrich Nagel Beate Hornschuh-Böhm (l.) und Christiane Borgelt vor einem Gemälde der Dorfkirche Alt-Wittenau von Heinrich Nagel Foto: mfk

Hermsdorf – Bis zum 23. Juli befindet sich in der GalerieETAGE des Museums Reinickendorf eine Ausstellung zu den sechs Dorfkirchen im Bezirk Reinickendorf. Diese stehen, nach Osten ausgerichtet, auf den Dorfangern von Heiligensee, Hermsdorf, Lübars, Reinickendorf, Tegel und Wittenau. Die Ausstellung legt ein besonderes Augenmerk auf den geschichtlichen Hintergrund und die Auswirkungen der Reformation auf die Dorfkirchen – passend zum 500-Jahr-Jubiläum von Luthers Thesen. Schautafeln, Fotos, Zeichnungen und einzelne sakrale Gegenstände führen den Besucher durch den Ausstellungsraum. Parallel zeigt das Museum in einem zweiten Raum bis zum 20. April Werke des Reinickendorfer Künstlers Max Grunwald (1889 bis 1960), der sein Atelier am Dorfanger Wittenau hatte. Einige seiner Bilder haben seine Wittenauer „Hauskirche“ als Motiv.

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 23. März erklangen Musikstücke aus dem 14. Jahrhundert, gespielt von Marion Karliczek auf nachgebauten Flöten aus der Renaissance. Beate Hornschuh-Böhm, Superintendentin des Kirchenkreises Reinickendorf, sprach darüber, was katholische und protestantische Kirchen unterscheidet. Die „Kästen mit den Vorhängen“, die ihr als Mädchen im katholischen Rheinland aufgefallen sind, waren ihr ein Rätsel. Ein katholischer Geistlicher hat ihr den Hauptunterschied damals so zusammengefasst: „Bei euch Protestanten ist es halt ein bisschen sparsam möbliert.“

Alle sechs Dorfkirchen entstanden nach der Gründung der jeweiligen Dörfer im 12. Jahrhundert zuerst als Fachwerkbauten und wurden später durch Feldsteinbauten ersetzt. Die mit wenig Abstand älteste unter ihnen ist die 1490 erbaute Wittenauer Dorfkirche. Ursprünglich waren alle Dorfkirchen als katholische Kirchen gebaut und ausgestaltet, bis unter Kurfürst Joachim II im Jahr 1540 die reformatorische Umgestaltung begann. Seitdem sind die Dorfkirchen protestantisch. Beichtstühle und Weihwasserbecken wurden genauso entfernt wie die Holzfiguren von Heiligen. Geblieben sind die Taufbecken und der schwarze Rock des Pfarrers. Die Gemeinde antwortet mit Gebet und Gesang. Die Wände der Dorfkirche Wittenau zieren seit einigen Jahren wieder die Holzschnitzfiguren des heiligen Nikolaus, der heiligen Anna sowie Maria mit Jesus, die zum Flügelaltar von 1500 gehörten und im Zuge der Kirchenumgestaltung nach der Reformation abgehängt werden mussten. Bei der Renovierung des Dachstuhles im Jahr 2000 fand man die Figuren.

Die sechs Dorfkirchen sind bis heute Gotteshäuser. Sie sind jedoch auch ein großes kulturelles Erbe. Dazu passt der Schlusssatz der Ausstellungskuratorin Christiane Borgelt: „Gehen Sie auch in die Kirchen, wenn Sie nicht gläubig sind!“

Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, geöffnet Montag bis Freitag und Sonntag von 9 bis 17 Uhr. mfk

Letzte Änderung am Donnerstag, 13 April 2017 11:32

RAZ Grundschule Wahl Beruf

Meldungen kurz & knapp

Kunst | Kultur | Kreatives

E-Book-Reader-Ausleihe

Bezirk/Tegel – Ab sofort können in den Reinickendorfer Bibliotheken in Tegel, in Frohnau, im Märkischen Viertel, in Reinickendorf-West und am Schäfersee E-Book-Reader, Modell: tolino vision 3HD, kostenlos entliehen werden. Benötigt wird ein gültiger Bibliotheksausweis, die Leihfrist beträgt 28 Tage, Ausleihe und Rückgabe müssen in der gleichen Bibliothek erfolgen. Hilfestellung bei der Nutzung bietet eine regelmäßig in der Humboldt- Bibliothek, Karolinenstraße 19, stattfindende Sprechstunde, immer am ersten und dritten Donnerstag im Monat von 11.30 bis 13.30 Uhr.

Sidebanner