Helfen, wo es sonst kaum Hilfe gibt

Dagmar Berenberg-Dorow ist für die Ärmsten der Armen im Einsatz. Dagmar Berenberg-Dorow ist für die Ärmsten der Armen im Einsatz. privat

Konradshöhe – Für uns ist die medzinische Versorgung selbstverständlich geworden, doch für Millionen Menschen, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, ist sie entweder unerschwinglich oder unerreichbar. Hunderttausende haben noch nie einen Arzt gesehen oder ein Medikament eingenommen. Die German Doctors arbeiten seit 1983 unermüdlich daran, die medizinische Versorgung auch in den ärmsten Regionen zu gewährleisten. Und so leistet die Hilfsorganisation seit mehr als 30 Jahren in Slums und ländlichen Regionen vieler Entwicklungsländer ehrenamtliche Arzteinsätze. Eine der Ärztinnen, die regelmäßig mit den German Doctors in afrikanische und asiatische Länder reist, ist Dagmar Berenberg-Dorow aus Konradshöhe. Die RAZ sprach mit der engagierten Allgemeinmedizinerin.

Es gibt nicht viele Menschen, die ehrenamtlich in abgelegenen Gegenden oder inmitten von lauten und schmutzigen Slums Hilfe leisten. Warum tun Sie das?
Dagmar Berenberg-Dorow: Mein Wunsch war eigentlich immer, ins Ausland zu gehen. Das war wohl auch der ausschlaggebende Grund, warum ich Medizin studiert habe. Ich bin schon früher gerne gereist und war länger in Singapur. Doch dann habe ich meinen Mann kennengelernt und mich dann mit einer Einzelpraxis in Berlin niedergelassen. So war für Auslandseinsätze die Zeit nicht vorhanden. Doch nun habe ich Zeit dafür.

Seit wann helfen Sie im Ausland?
Angefangen hat das im Jahr 2012. Ich hatte ein Jahr zuvor meine Berliner Arztpraxis verkauft. In der Zeitung der Kassenärztlichen Vereinigung habe ich dann kurz darauf einen Artikel über Auslandseinsätze für Ärzte gelesen und mich dann näher über die German Doctors informiert. Mich hat besonders angesprochen, dass es sich um Einsätze von lediglich sechs Wochen handelt, denn länger hätte ich Berlin am Stück nicht verlassen wollen. Und so habe ich mich dann dort beworben und flog auch bald zu meinem ersten Einsatz.

Wo war der allererste Einsatz?
Ich bin im März 2013 auf die Philippinen geschickt worden. Die Insel Mindoro war für vier Wochen mein Zuhause und mein Arbeitsplatz. Tagtäglich ging es mit der rollenden Klinik in entlegene Bergdörfer, um dort die Mangyans zu behandeln. Die Ureinwohner der Insel, die immer weiter ins Landesinnere verdrängt wurden und so nicht mehr vom Fischfang leben konnten, sondern nun kargen Ackerbau betreiben, sind wirklich sehr arm. Aus diesen Gründen und auch weil sie von der Regierung nicht unterstützt werden, wird dieser Volksstamm von den German Doctors behandelt. Um uns verständigen zu können, sind immer auch Dolmetscher dabei, die die Sprache des jeweiligen Stammes sprechen. Da die Mangyans eigentlich in jeglicher Hinsicht die Benachteiligten waren, sind sie sehr dankbar über unsere Hilfe und auch ein wenig stolz, dass Ärzte von ganz weit her extra für sie kommen, um sie zu behandeln. Die restlichen zwei Wochen habe ich in Manila als Ärztin gearbeitet.

Welche Krankheiten gilt es vorwiegend zu behandeln?
Die Krankheiten sind in Südostasien alle ähnlich. Es gehören verschiedene Wurmerkrankungen ebenso dazu wie Hauterkrankungen, Mangelernährung oder Lungenerkrankungen wie Tuberkulose. Aber grundsätzlich kümmern wir uns um jegliche Erkrankungen vor Ort.

In welchen Ländern waren Sie bereits für die German Doctors tätig?
Mein zweiter Einsatz war in Chittagong, der zweitgrößten Stadt in Bangladesch. Hier betreiben die German Doctors das „Medical Centre for the Poorest of the Poor“ (MCPP), eine feste Ambulanz als Anlaufstelle für die Bewohner der Slums. Im Jahr 2014 ging es wieder auf die Philippinen, und zwar nach Mindanao. Ein Jahr später fand mein sechswöchiger Einsatz im indischen Kalkutta statt. Wir Ärzte waren in einem Haus untergebracht, zu dem noch eine Schule, ein Kinderkrankenhaus und eine Tuberkulosestation für Kinder gehört. Und von dort aus ging es dann mit der rollenden Klinik in die verschiedensten Regionen der Slums. Anders als in Mindoro, wo ich auf mich allein gestellt war, hatte ich in Kalkutta fünf Kollegen an meiner Seite. Im Herbst 2015 ging es dann für sechs Wochen in die Slums von Kenias Hauptstadt Nairobi. Ein Team von sechs Ärzten – darunter Gynäkologe, Kinderarzt, Chirurg oder Orthopäde und drei Allgemeinmediziner oder Internisten – arbeitet dort täglich in einem ehemaligen Krankenhaus. Jeder hat sein Praxiszimmer mit Dolmetscher, und man kann die Patienten sofort zur für sie richtigen Stelle schicken. Das ist ein angenehmes Arbeiten – ein wahres Privileg anstelle der chaotischen und teils sehr schmutzigen Umstände in den Slums. Und natürlich ist auch die rollende Klinik, mit der man manchmal zehn Tage komplett unterwegs ist, etwas ganz anderes. Nahrung und medizinisches Equipment müssen für diesen Zeitraum komplett mitgenommen werden, und die Unterkünfte sind schon grenzwertig. Aber alle Einsätze sind wichtig, und die Menschen brauchen medizinische Hilfe vor Ort. Vor Kurzem bin ich aus Bangladesch wiedergekommen. Zum Teil haben wir in den Slums von Dhaka und in unserem Gesundheitszentrum im Stadtteil Manda gearbeitet. Hier wurden in einer Hütte unter einfachsten Bedingungen Behandlungstische und eine mobile Apotheke aufgebaut, damit wir arbeiten konnten. Zwischen 40 und 120 Patienten pro Tag haben wir behandelt.

Hatten Sie je das Gefühl, Ihre Arbeit sei lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Es kommt zwischendurch immer auch mal die Frage hoch: Was mache ich hier eigentlich? Schließlich sind diese Einsätze – vor allem, wenn man allein auf sich gestellt ist – auch sehr anstrengend. Auch die Frage, ob ich medizinisch wohlmöglich die falsche Entscheidung getroffen habe, kommt ab und zu auf. Manchmal weiß man nicht, wo man überhaupt beginnen soll, denn die Situation ist teils unüberschaubar und die Probleme groß. Aber ich erhalte auch ganz viel Dankbarkeit von den Menschen. Das gibt wieder Kraft und Energie – und dann weiß ich, dass das alles richtig ist, was ich hier tue.

Wann startet Ihr nächster Einsatz?
Im November fliege ich wieder in Richtung Philippinen, diesmal nach Cebu. Hier werden wir in den Slumgebieten der Stadt Cebu, auf den Müllhalden auf der vorgelagerten Halbinsel Mactan sowie in – durch fehlerhafte Stadtplanung vom Meer abgeschnittene – ehemaligen und inzwischen verarmten Fischerdörfern tätig sein.

Vielen Dank für das Gespräch.
Interview Christiane Flechtner

RAZ Schollen Grundschule

Meldungen kurz & knapp

Soziales | Senioren | Kirche

Integrationsprojekt läuft weiter

Reinickendorf – Gute nachbarschaftliche Beziehungen, ein friedliches Zusammenleben im Kiez und respektvolles Miteinander – auch die zweite Maleraktion des Integrationsprojekts „Zwischen Himmel und Erde“ ist nun erfolgreich abgeschlossen. Flüchtlinge haben in gemeinsamer Arbeit mit Freiwilligen aus der Baptistengemeinde Schulräume in der Reginhardt-Grundschule gestrichen. Von Mitte Mai bis Anfang Juni verschönerten sie so das Souterrain der Schule. Insgesamt sechs Räume und ein Flur erhielten neue Farbe. In den Sommerferien plant das Projektteam, eine weitere Schule im Märkischen Viertel zu renovieren. Das Projekt wird unter anderem aus Mitteln des Masterplans Integration und Sicherheit des Berliner Senats gefördert.

PC-Raum neu gestaltet

Lübars – Mit der Unterstützung des Bezirksamtes sowie ehrenamtlich Engagierter wurde der PC-Raum des Senioren-Freizeitclubs Lübars neu gestaltet. Dafür wurden neun Computer neu verkabelt, die Software auf den modernsten Stand gebracht und Vor­aussetzungen für ein serverbasiertes Netzwerk geschaffen. „Wir haben unsere eigene Cloud“, sagte Rolf Antkowiak, der zweimal wöchentlich im Club ehrenamtlich als Administrator wirkt.

10. Kiezfest Tegel-Süd

Tegel – „Tegel Süd tut gut“ – unter diesem Motto findet am 8. Juli das 10. Kiezfest Tegel-Süd statt. Von 13 bis 18 Uhr wird in der Sterkrader Straße ein Bühnenprogramm geboten, bei dem sich die unterschiedlichsten Menschen und Einrichtungen präsentieren – dabei sind auch die Havel-Müller-Grundschule, die Tageszentren Tegel-Süd sowie das metronom.

Öffnungszeiten Ehrenamtsbüro

Wittenau – Das Ehrenamtsbüro im Rathaus Reinickendorf, Eichborndamm 215, Raum 26, hat montags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie dienstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Hier können sich Ehrenamtsinteressierte über die verschiedenen Möglichkeiten informieren, wie man sich im Bezirk engagieren kann. Außerdem können Reinickendorfer die Mitarbeiter unter Tel. (030) 90294-5108 und ehrenamtsbuero@web.de erreichen.

Chorkonzert, Bläserklänge und Offenes Singen

Tegel – Am 9. Juli erwarten Konzertbesucher um 16 Uhr in der Dorfkirche Alt-Tegel festliche Klänge für Chor, Bläser, Orgel und mitsingende Konzertbesucher. Die Kantorei und das Bläserensemble Tegel treten unter der Leitung von Heidemarie und Markus Fritz auf. Im Anschluss laden Pfarrer und Kirchenmusiker aus Reinickendorf im Rahmen der Reihe „Selber Singen“ zu einem Offenen Singen ein. Es findet ab zirka 17 Uhr am Tegeler See statt. Treffpunkt ist die rote Telefonzelle an der Greenwichpromenade. Mitwirken werden unter anderem Bläser und Chöre des Kirchenkreises Reinickendorf unter der Leitung von Kreisposaunenwartin Sabine Schmidt und Kreiskantor Jörg Walter. Die Moderation übernimmt Pfarrerin Ute Sauerbrey.

Kiezfest Rund um die Auguste

Reinickendorf – Bereits zum 17. Mal findet am 8. Juli das Kiez-Fest „Rund um die Auguste“ statt, bei dem von 14 bis 18 Uhr auf dem Gelände hinter der Segenskirche, Auguste-Viktoria-Allee 17, ein von Kindern und Jugendlichen gestaltetes Bühnenprogramm, ein Graffiti-Workshop, Torwandschießen und vieles mehr geboten wird.

Stadtteilspaziergang in Alt-Wittenau

Wittenau – Spannende Geschichten über Alt-Wittenau können Groß und Klein beim Stadtteilspaziergang am Montag, 3. Juli, hören. Kulturwissenschaftlerin Jana Ritter wird von 16 bis 17 Uhr die Geschichte des Kiezes erlebbar machen. Wer mitspazieren möchte, kommt zur Evangelischen Familienbildungsstätte in den Spießweg 7-9. Um eine Anmeldung im Büro, Alt-Wittenau 73, Tel. (030) 81 46 49 47 oder 0176-43 25 04 18 wird gebeten. Die Kosten betragen vier Euro.

Besuch der Medina-Moschee

Märkisches Viertel – Die Apostel-Johannes-Gemeinde lädt am 7. Juli Interessierte um 13 Uhr dazu ein, die neue Medina-Moschee, Finsterwalder Straße 4, zu besuchen und das Freitagsgebet auf Türkisch und Deutsch zu erleben. Anschließend können Fragen gestellt werden, und außerdem wird das neue islamische Kulturhaus erläutert. Anmeldung bei Dirk Stratmann unter Tel. (030) 4000 9666 oder per E-Mail an stratmann-berlin@t-online.de