„Wir sind wie eine große Familie“

Geschäftsführer Michael Hupka (l.) und Patrice Dajon an der Bar im Alten Dorfkrug Lübars Geschäftsführer Michael Hupka (l.) und Patrice Dajon an der Bar im Alten Dorfkrug Lübars Foto: mfk

Lübars – Der Gasthof Alter Dorfkrug Lübars ist eine Institution im ältesten Dorf von Berlin. Im ersten Einwohnerverzeichnis von Lübars wird 1592 der Bauer Matthias Rathenow als Krugwirt erwähnt. Das heutige Gebäudeensemble mit dem angebauten Veranstaltungssaal, dem LabSaal, steht unter Denkmalschutz und gehört seit 1998 dem Verein Natur & Kultur LabSaal-Lübars e.V. Nach der anfänglichen Verpachtung betreibt der Verein seit 2005 auch den Alten Dorfkrug in Eigenregie, seit 2008 als Integrationsbetrieb. Ein Integrationsbetrieb ist ein Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarktes, der wirtschaftliche Ziele hat und mindestens ein Viertel Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt. Diese erhalten das gleiche Gehalt wie ihre nicht behinderten Kollegen. Um die individuelle Minderleistung auszugleichen, bezahlt das Landesamt für Gesundheit und Soziales die Hälfte des jeweiligen Gehaltes. In Berlin werden im laufenden Jahr jedoch nur 50 Arbeitsplätze bezuschusst (die RAZ berichtete).

„Momentan haben vier von zehn unserer Mitarbeiter körperliche oder seelische Einschränkungen“, erzählt Michael Hupka, der seit Anfang 2013 Geschäftsführer des Betriebes ist. Eine weitere Einstellung ist geplant und wird den Inklusionsanteil des Alten Dorfkruges auf 50 Prozent anheben. „Bei uns herrscht ein guter Teamgeist“, sagt Hupka „es wird auch niemand laut oder schimpft, wie das in der Gastronomie vorkommen kann.“ In einem Integrationsbetrieb sei es wichtig, dass die nicht behinderten Kollegen rücksichtsvoll seien, damit es ein gutes Miteinander gibt. Das Verhältnis unter den Kollegen ist persönlich, fast ein bisschen wie in einer Familie, wo Rücksichtnahme auch wichtig ist.

Der Alte Dorfkrug ist durch seine dörfliche Lage im Fließtal ein klassischer Ausflugsgasthof, und an warmen Sommersonntagen kann es sein, dass sowohl der hinter dem Gasthof liegende Biergarten als auch die schattigere Terrasse zum Dorfanger hin mit Spaziergängern und Radfahrern bevölkert sind. In den zwei Speisesälen, dem in Altrosa und dem in Zartgrün, wird saisonale klassische und neue deutsche Küche serviert, immer auch mit vegetarischen Varianten. Die dunklen Möbel mit den weißen Tischdecken heben sich ab vom hellen Dielenboden. Wer durch die Sprossenfenster an den anderen historischen Häusern vorbei zur Dorfkirche schaut, wähnt sich in einer früheren Zeit. Damals quietschten die eisenbereiften Pferdewagen, heute holpern die Autos übers Kopfsteinpflaster. So mancher Radler flüchtet sich vor dem kaum befahrbaren Untergrund auf die schmalen Bürgersteige.

„Ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die Küche sind die rund 50 privaten Feiern, die wir jährlich im LabSaal bekochen“, sagt Hupka. Der LabSaal gilt als einer der schönsten historischen Gasthaussäle in Berlin. Der Verein Natur & Kultur bespielt ihn mit einem Programm, das von einer Kinderoper über Weltmusikonzerte bis zu Klezmertänzen reicht (www.labsaal.de).

Gasthof und Labsaal bieten das Umfeld für die Förderung aller Mitarbeiter. Wer beispielsweise nicht im Service arbeiten kann, weil das für ihn oder sie aus individuellen Gründen nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, tut dies im Hintergrund in der Küche oder am Tresen. Schon elf Jahren ist Patrice Dajon hinter der Theke des Dorfkruges tätig, seit er nach einer schweren Erkrankung körperlich nicht mehr so belastbar ist. Er bedient auch an den Tischen im Bereich der Theke, wo er keine weiten Wege zurücklegen muss. „Wir sind wie eine Familie, ich fühle mich wohl hier“, verrät er. Auch die vertraglichen Arbeitsbedingungen für die Angestellten mit Einschränkungen sind anders: Im Gegensatz zu ihren Kollegen ohne Behinderung gelten für sie 30 Arbeitsstunden pro Woche als Vollzeitstelle, und sie haben auch Anspruch auf mehr Urlaub. Durch das positive Beispiel des Alten Dorfkruges sollten sich andere Firmen ermuntert fühlen und Menschen mit einer Behinderung ganz selbstverständlich in ihre Betriebe integrieren.

Weitere Infos unter www.gasthof-alter-dorfkrug.de  fk

Letzte Änderung am Mittwoch, 19 April 2017 08:37

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Meldungen kurz & knapp

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Informationen zur Vorsorgevollmacht

Reinickendorf – Die CDA-Reinickendorf (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands) lädt zu einem Vortrag zum Thema „Betreuungs- und Vorsorgevollmacht“ ein. Rechtsanwalt und Notar Andreas Gram informiert über diese Vollmachten, die eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen, auch wenn man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Der Vortrag findet am Freitag, 11. August, 18 Uhr, im großen Saal der Seniorenwohnanlage Lange-Schucke-Stiftung im Büdnerring 48 statt.

Waidmannsluster Ehrenamtspreis

Waidmannslust – Ehrenamt hat viele Gesichter, auch in Reinickendorf. Deswegen stiftet der Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen jährlich den Waidmannsluster Ehrenamtspreis, der gesellschaftliches Engagement auszeichnet. Im vergangenen Jahr wurde der Förderkreis der Königin- Luise-Kirche ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr können Einzelpersonen oder Vereine in Waidmannslust vorgeschlagen werden. Wer eine Einzelperson oder einen Verein kennt, die sich in besonderem Maße ehrenamtlich engagieren, schreibt an kontakt@ tim-zeelen.de oder Tim-Christopher Zeelen, MdA, Bürgerbüro, Brunowstraße 51, 13507 Berlin.

Beratungsstelle jetzt barrierefrei

Borsigwalde – Jahrelang war die Schuldner- und Insolvenzberatung des Deutschen Familienverbandes nicht barrierefrei erreichbar. Die Räume in einem Nebenflügel des Jobcenters in der Miraustraße 54 waren nur über eine Treppe zugänglich. Für ältere Menschen mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen und gehbehinderte Menschen war das ein echtes Hindernis. Als Zwischenlösung boten die Mitarbeiter der Beratungsstelle Außentermine an. Das war aber mit großem Zeitaufwand verbunden. Der CDU-Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen regte an, einen Raum aus dem Hauptgebäude des Jobcenters mit zu nutzen. Diese Anregung wurde nun umgesetzt. Das Jobcenter stellt der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle einen barrierefreien Beratungsraum zur Verfügung. „Ich freue mich, dass dieser Service nun problemlos von allen Reinickendorfern genutzt werden kann,“ sagt der Abgeordnete.

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