Meine Spaziergänger

Lisa Schwitalla und Erwin Blaschka Lisa Schwitalla und Erwin Blaschka Foto: mfk

Märkisches Viertel ­– Vom Balkon im 14. Stock sind der Funkturm und der Teufelsberg am Horizont zu sehen und der Himmel ist weit. In der Wohnung mit diesem Blick wohnt die über 90-jährige Lisa Schwitalla, seit sie 65 ist und aus ihrem Häuschen in Buchholz noch vor dem Mauerfall ins Märkische Viertel gezogen ist. In der Wohnung braucht sie den Rollstuhl nicht, aber wenn es nach draußen geht, ist sie auf ihn angewiesen. Ihre Augen sind so schwach geworden, dass sie nicht mehr lesen kann.

Heute ist ein besonderer Tag, denn heute kommt ihr „Spaziergänger“, wie sie Erwin Blaschka und die anderen Helfer scherzhaft nennt. Erwin Blaschka arbeitet beim Mobilitätshilfedienst Reinickendorf. Seit mehr als 30 Jahren bietet das Unionhilfswerk diesen Dienst für Senioren an, die noch zu Hause wohnen, sich jedoch unterwegs unsicher fühlen. Gegen eine kleine Verwaltungspauschale können sie sich wöchentlich für eineinhalb Stunden begleiten lassen zum Spazieren, Einkaufen, zu einem Termin oder auch zu Freunden. „Wir sind ein bisschen das Salz in der Suppe der alten Menschen“, beschreibt Blaschka seine Tätigkeit, „denn wir können ihnen ermöglichen, dass sie zum Beispiel auch mal selber einkaufen oder wieder einmal ins Freie können“. Wie das Wetter draußen sei und welche Jacke sie anziehen solle, fragt die fein frisierte Dame ihn. „Nehmen Sie die helle!“, ist Blaschkes Antwort. Fürsorglich legt der Mann mit der Schiebermütze ihr die karierte Wolldecke über die Beine, als sie im Rollstuhl sitzt. Die Sonne scheint kurz durch die Wolken und die zartgrün belaubten Bäume am Seggeluchbecken, während Erwin Blaschka den Rollstuhl vorsichtig um die Unebenheiten schiebt. Wie jeder Mobilitätshelfer hat er an einer Schulung für Rollstuhlschieber teilgenommen. Weil eine Baumaschine so lärmig und eine Unterhaltung kaum möglich ist, schlägt die Dame im Rollstuhl vor, ins Märkische Zentrum zu spazieren. „Früher war es schön hier“, sagt sie auf einer Bank auf dem dortigen Brunnenplatz, „heute ist es nur noch schön wegen der Ärzte.“ Mit leuchtenden Augen erzählt sie davon, dass sie letztes Jahr mit einem ihrer „Spaziergänger“ ihre alte Grundschule in Pankow besuchen konnte und dabei auch ihr Wohnhaus aus Kindertagen in der Görschstrasse wieder gesehen hat. Im Gespräch hatten die beiden festgestellt, dass auch ihr viel jüngerer Wegbegleiter dieselbe Schule besucht hatte. Auf Anfrage hat dann das Unionhilfswerk die Erlaubnis für eine „lange“ Begleitung an an jenem Tag gegeben und dadurch die beiden in ihre Vergangenheit eintauchen lassen.

Der Mobilitätshilfedienst wird durch die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gefördert. Die Förderung reicht jedoch nur für wenige angestellte Mitarbeiter. Der Großteil der Begleiter sind Ehrenamtliche, die eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. Weitere Infos zur ehrenamtlichen Tätigkeit gibt die Projektleiterin Ursula Illies unter Tel. (030) 644 97 60 70 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mfk

Letzte Änderung am Freitag, 26 Mai 2017 10:12

RAZ Medizin Ferien

Meldungen kurz & knapp

Soziales | Senioren | Kirche

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Essproblemen

Tegel – Seit dem 1. Juni gibt es in Tegel eine neue Gruppe von Overeaters Anonymous. Diese Selbsthilfegruppen für Menschen, die mit dem Essen Probleme haben, trifft sich immer donnerstags um 18.45 Uhr im Gemeindehaus der Pfarrkirche Herz-Jesu, Brunowstraße 37. Weitere Infos unter Tel. (030) 44049461 oder www.overeatersanonymous.de

Abschiebung nach Afghanistan

Wittenau – Der Situation afghanischer Geflüchteter in Berlin widmet sich am 19. Juni Omed Arghandiwal in einem Vortrag, der im Hermann-Ehlers-Haus, Alt-Wittenau 71, um 18 Uhr stattfindet. Außerdem geht er auf den Einfluss der Innen- und Asylpolitik hinsichtlich der Situation der Geflüchteten ein. Arghandiwal ist Projektleiter für den Verein Yaar, der Flüchtlinge aus Afghanistan berät.

Alt-Reinickendorfer Abendmusik

Reinickendorf – Alt-Reinickendorfer Abendmusik erklingt am 17. Juni um 17 Uhr in der Dorfkirche Alt-Reinickendorf, Alt-Reinickendorf 21, unter der Leitung von Cornelia Gehlmann-Dinca. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Konzerte Dorfkirche Lübars

Lübars – Internationaler Besuch kommt in die Dorfkirche Lübars, Alt-Lübars 24. Der Chor der Salzburger Kirche aus Gusev/Gumbinnen in Kaliningrad wird in der Kirche am 18. Juni um 17 Uhr ein Konzert geben, bei dem russische Volkslieder und geistliche Musik dargeboten werden. Der Eintritt ist frei. Am 25. Juni findet in der Kirche unter dem Titel „Kinder Abrahams“ eine Veranstaltung statt, bei der gesungen sowie gebetet, geschrien sowie gejauchzt wird – und das auf Deutsch, Latein, Hebräisch und Arabisch. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Junges Kammerorchester feiert Jubiläum

Tegel – Mit einem Jubiläumskonzert feiert feiert das Junge Kammerorchester Reinickendorf am 25. Juni um 17 Uhr sein 60-jähriges Bestehen in der Dorfkirche Alt-Tegel. Bei diesem Konzert werden die zwei Gewinnerkompositionen präsentiert, die beim Kompositionswettbewerb, den das Orchester anlässlich des Jubiläums ausgeschrieben hatte, ausgewählt worden sind. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Ehrenamt statt Arbeitslosigkeit

Bezirk – Für das Projekt „Industriespaziergänge in Reinickendorf“ sucht das Wirtschaftsarchiv Freiwillige, die wirtschaftsgeschichtlich interessante Orte nach Vorgabe abgehen und fotografieren. Gesucht sind Reinickendorfer Arbeitslose. Weitere Infos unter Tel. (030) 4119 0698 oder www.bb-wa.de sowie an mailbb-wa.de