Gefährlich und oft unentdeckt

Priv.-Doz. Dr. Karsten Krüger, Chefarzt der Radiologie im Vivantes Humboldt-Klinikum. Priv.-Doz. Dr. Karsten Krüger, Chefarzt der Radiologie im Vivantes Humboldt-Klinikum. Foto: hb

Borsigwalde – Wenn eine erweiterte Hauptschlagader (Aorta) platzt, kommt meist jede Hilfe zu spät. Wichtig ist daher, bei einer vorbeugenden Untersuchung festzustellen, ob eine Erweiterung vorliegt, um diese dann frühzeitig behandeln zu lassen. Ältere Patienten sind von einem erweiterten Blutgefäß (Aneurysma) häufiger betroffen als jüngere und Männer häufiger als Frauen. Ein Aneurysma kann überall entlang der Aorta auftreten – in den Arterien des Gehirns, im Brustkorb, im Bauchraum, seltener im Becken oder in der Kniekehle. Die RAZ sprach darüber mit Priv.-Doz. Dr. Karsten Krüger, Chefarzt der Radiologie im Vivantes Humboldt-Klinikum.

Wie kommt es zu einer Erweiterung der Bauchschlagader?
Bei den meisten Menschen ist die Arteriosklerose, also eine Gefäßverkalkung, für die Erweiterung verantwortlich. Durch Ablagerungen an der Gefäßwand verliert sie an Elastizität und kann den Druck der Pulswelle nicht so gut abfedern. Auch Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein Risikofaktor. Darüber hinaus gibt es seltene Ursachen, wie zum Beispiel eine angeborene Störung des Bindegewebes oder Entzündungen der Gefäßwand.

Gegen eine erbliche Veranlagung kann man nichts tun – gibt es sonst aber Möglichkeiten, vorzubeugen?
Durch eine vorbeugende Untersuchung – wie einen Ultraschall – kann leicht festgestellt werden, ob eine Erweiterung vorliegt. Das tut nicht weh, ist völlig ungefährlich und führt zu keinerlei Nebenwirkungen. In großen Studien konnte gezeigt werden, dass sich mit einem Ultraschall die Anzahl der Menschen, die an dieser Erkrankung sterben, deutlich senken lässt. Auch die Anzahl der Notoperationen halbiert sich. Meiner Meinung nach sollten sich alle Männer ab dem 65. Lebensjahr sowie Männer und Frauen mit Erkrankungen der Bauchschlagader in der Familie regelmäßig untersuchen lassen. Davon abgesehen lassen sich die genannten Risiken auf indirektem Weg verkleinern: So kann Rauchen zu einem Aneurysma führen, weil Nikotin die Gefäßverkalkung befördert und den Blutdruck erhöht.

Warum ist eine Erweiterung der Bauchschlagader so gefährlich?
Zum einen können sich in der Aussackung Gerinnsel bilden. Wenn sie sich lösen, werden sie mit dem Blutstrom verschleppt. Es kommt zu Durchblutungsstörungen. Oder das erweiterte Blutgefäß kann auf benachbarte Strukturen drücken und so Beschwerden auslösen, zum Beispiel Rückenschmerzen. Die Hauptgefahr eines Aneurysmas besteht aber darin, dass es platzt. Dann strömt Blut ungehindert aus dem Gefäß – und das ist meist tödlich.

Was passiert, wenn das Gefäß reißt?
Das Blut fließt in den Bauchraum – das ist ein Notfall, den etwa 80 Prozent der Betroffenen nicht überleben. Viele Patienten schaffen oft nicht einmal mehr den Weg ins Krankenhaus. Das Risiko für ein Platzen der Bauchschlagader ist abhängig vom Durchmesser der Arterie. Je weiter die Schlagader ist, umso größer ist die Gefahr.

Wie bemerkt man, dass sich ein Aneurysma gebildet hat?
Meistens bemerkt man es leider gar nicht und ist sich daher der Gefahr nicht bewusst. Mitunter kommt es zu zeitweiligen oder zu dauerhaften Rückenschmerzen, die ins Becken oder in die Leisten ausstrahlen. Rückenschmerzen sind aber verbreitet und können auch andere Ursachen haben. Man könnte als Symptom auch eine Pulsation im Bauch tasten. Insgesamt sind die Beschwerden aber sehr vage. Wenn die Aorta aber tatsächlich reißt, kommt es zu akuten und sehr starken Schmerzen. Aufgrund des großen Blutverlustes tritt schnell eine starke Schwäche ein. Wir sprechen von einem Schock mit Blutdruckabfall.

Wer ist besonders gefährdet?
Männer sind ungefähr fünf Mal häufiger davon betroffen als Frauen. Das kann daran liegen, dass bei ihnen Arteriosklerose verbreiteter ist, die Gefäßwände schlechter durchblutet sind und leichter ausleiern. Frauen sind ja auch vor Herzinfarkten und Schlaganfällen besser hormonell geschützt. Zudem gehen Männer nach meiner Erfahrung auch seltener zu Vorsorgeuntersuchungen, sodass sie sich einem größeren Risiko aussetzen. Zu den bekanntesten Betroffenen, die an einem geplatzten Aneurysma gestorben sind, gehören übrigens Albert Einstein und Thomas Mann.

Wie wird ein Aneurysma behandelt?
Für die Therapie gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten. In einer offenen Operation wird entweder das erkrankte Gefäß mit Kunststoffschläuchen ersetzt. Alternativ dazu kann das erweiterte Gefäß von innen abgedichtet werden, indem nur ein kleiner Schnitt in beiden Leisten erfolgt. Über diesen Schnitt schiebt man ummantelte Stents in das erweiterte Gefäß hinein und entfaltet sie dort. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Belastung für den Patienten deutlich geringer ist als bei der offenen Operation, der Patient sich dadurch schneller erholt und rascher das Krankenhaus wieder verlassen kann. Im Vivantes Humboldt-Klinikum können beide Verfahren jederzeit durchgeführt werden. Um die erweiterte Bauchschlagader räumlich exakt darzustellen, wird zunächst eine Computertomographie durchgeführt. Diese zeigt den Gefäßchirurgen und Radiologen genau die anatomische Situation, so dass dann in einer Gefäßkonferenz gemeinsam die richtige Therapie für den Patienten festgelegt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung am Freitag, 05 Mai 2017 08:51

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