„Ich bin kein Jäger“

Axel Gericke jagt nicht, sondern beobachtet das WIld nur. Axel Gericke jagt nicht, sondern beobachtet das WIld nur. fs

Lübars – Die Schonzeit ist für die meisten Wildtiere vorbei, die Jagdsaison in vollem Gange. In Lübars, Hermsdorf und Waidmannslust gehen die Jäger der Jagdgenossenschaft Lübars/Waidmannslust auf die Pirsch. Seit 1993 schon bilden die Lübarser Landwirte, das Bezirksamt Reinickendorf, die 2. Kirchengemeinde Lübars und weitere Privateigentümer die Jagdgenossenschaft. Nach der politischen Wende entschloss sich der langjährige Jagdvorsteher Joachim Kühne, eine solche Jagdgenossenschaft ins Leben zu rufen. Vor einigen Jahren wurde Axel Gericke vom am Alten Bernauer Heerweg gelegenen Pferdehof Gericke zu Kühnes Nachfolger gewählt. Die RAZ sprach mit dem 58-Jährigen über die Aktivitäten und Probleme der Genossenschaft und den zweifelhaften Ruf von Jägern.

Herr Gericke, haben Sie ein Geweih an der Wand?
Axel Gericke: Nein, natürlich nicht. Ich bin kein Jäger, gehe selbst nicht auf die Jagd. Ich gehe nur zur Beobachtung von Wildtieren hin und wieder auf einen Hochsitz, da nehme ich gern meinen Enkel mit. Für die Jagd ist seit vielen Jahren der Jagdpächter Heinrich Dortmund zuständig, kürzlich sind mit Jürgen Rosinski und Uwe Rosenow zwei weitere Pächter hinzugekommen, dazu noch Karsten Döhler.

Theodor Heuss, der erste Präsident der Bundesrepublik, soll mal gesagt haben: Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit. Was sagen Sie dazu?
Also, da muss man unterscheiden. Man darf unsere Jäger nicht verwechseln mit Hobbyjägern aus der Großstadt oder Großwildjägern in Afrika, die ihre Macht über Leben und Tod ausleben und ihr Ego befriedigen wollen. So etwas finde ich abartig, das hat mit dem, was bei uns in der Jagdgenossenschaft passiert, nichts zu tun. Wir gehen verantwortungsvoll mit der Natur, der Landschaft und den Wildtieren um. Geschossen werden die schwächsten Tiere, kranke oder welche, die Schaden anrichten. Und das passiert hier bei uns im Norden ja nicht selten, beispielweise in der Kneippstraße in Hermsdorf, wo immer wieder Wildschweine ihr Unwesen treiben.

Aber Jäger haben in weiten Teilen der heutigen Gesellschaft einen schlechten Ruf. Sind Ihre Jäger auch Anfeindungen ausgesetzt?
Ja, immer wieder. Wenn Heinrich Dortmund abends mit der Flinte auf dem Rücken ins Revier geht, muss er sich manches anhören. ,Mörder‘ wurde er auch schon genannt. Dabei macht er wie seine Kollegen einen besonnenen Job. Und sie gehen ordentlich mit den Bürgern um, versuchen zu erklären, was hier eigentlich passiert.

Welche Probleme gibt es noch?
Hier zu jagen, ist schwierig. Freilaufende Hunde sind ein Problem, plötzlich auftauchende Jogger auch. Und immer wieder werden Hochstände beschädigt, zum Beispiel Sprossen an der Leiter angesägt. Die Jäger sind schon dazu übergegangen, temporäre Hochstände zu errichten, aus Metall, nicht aus Holz. Dazu kommt die fortschreitende Vernässung im Fließ, die nicht nur uns Landwirten zu schaffen macht, sondern auch die Jagd erschwert.

Man liest immer wieder von Jagdunfällen, die nicht nur für das Wild, sondern für den Menschen tödlich enden? Ist im hiesigen Revier schon mal etwas Schlimmes passiert?
Nein, zum Glück nicht. Und das liegt auch an der großen Erfahrung und der Besonnenheit unserer Jäger.

Wie groß ist das gesamte Revier, in dem gejagt werden kann?
252 Hektar, wobei der größere Teil dem Bezirk Reinickendorf gehört. Erst ab einer bestimmten Größe einer zusammenhängenden Fläche ist es überhaupt möglich, eine Jagdgenossenschaft zu gründen und eigene Jäger zu bestellen. Das war hier gegeben, anders als in Heiligensee, wo Wildschweine ein großes Problem sind.

Welche Wildtiere werden vor allem erlegt?
Natürlich Wildschweine, man kann sagen, zwischen 12 und 20 pro Jahr. Dazu ein paar Rehe, wobei mehr Rehe im Straßenverkehr umkommen als durch die Jagd. Hasen werden fast gar keine mehr geschossen, ebenso Fasane und Rebhühner. Das liegt auch daran, dass sich Füchse in den letzten Jahren stark vermehrt haben, Junghasen gehören zur bevorzugten Beute.

Einen Wolf haben Sie aber noch nicht registriert?
Nein, hier noch nicht. Aber lachen Sie nicht, so unwahrscheinlich ist das nicht. Wir haben ja noch einen zweiten Betrieb in Nauen, da wurde erst kürzlich ein Wolf gesichtet.

Was passiert mit dem erlegten Wild?
Die Jäger bringen das entweder ins Forsthaus Tegel oder zum Forstamt Blankenfelde. Dort wird das Fleisch auf Trichinen untersucht. Wenn es in Ordnung ist, entscheiden die Jäger, was damit passiert.

Wie viele Mitglieder hat die Genossenschaft, wie oft kommt man zusammen?
Rund 15, und wir treffen uns einmal im Jahr. Dem Vorstand gehören für das Bezirksamt Stadtrat Martin Lambert als 2. Vorsitzender an, dazu kommt Kornelia Qualitz-Domaradzki als Kassenwartin und der pensionierte Pfarrer Axel Luther als Schriftführer. Alle vier Jahre wird gewählt. Um den Vorsitz reißt sich keiner, aber es muss ja gemacht werden, wenn wir die Jagdgenossenschaft aufrecht erhalten wollen. Und das wollen wir auf jeden Fall.

Vielen Dank für das Gespräch.
Interview Frank Seidel

Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Oktober 2016 13:46

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