97 Dezibel um halb vier

Hat die Messgeräte fest im Blick: Robert Busch vom Landesverband Nordost des  Verkehrsclubs Deutschland misst Lärm an der Residenzstraße. Hat die Messgeräte fest im Blick: Robert Busch vom Landesverband Nordost des Verkehrsclubs Deutschland misst Lärm an der Residenzstraße. Foto: bek

Reinickendorf – Alle paar Minuten schlägt das Messgerät besonders aus. 93, 94 Dezibel sind auf der digitalen Anzeige zu sehen, die Robert Busch vom Landesverband Nordost des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) fest im Blick hat, einmal sogar 97 Dezibel. Immer dann, wenn ein Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Tegel die Residenzstraße überfliegt, werden die hohen Werte erreicht. Es ist immer laut hier, so auch an diesem Nachmittag des 25. April an der Ecke Residenz-/Amendestraße, wo der VCD von 15 bis 17 Uhr Lärmmessungen vornahm. Anlass war der Internationale Tag gegen Lärm am 26. April.

„Das ist schon heftig“, sagt Christian Kölling, Vorstandsmitglied im Landesverband, mit einem Gehörschutz auf den Ohren. „Auf Baustellen ist ein solcher Schutz ab 80 Dezibel Pflicht.“ In der Residenzstraße aber trägt keiner außer ihm einen Gehörschutz. Dabei ist es in Berlin permanent zu laut: Nachts überschreitet der Straßenverkehrslärm an rund drei Viertel der Hauptstrecken 55 Dezibel. Tagsüber liegt der Verkehrslärm an vielen Hauptstraßen deutlich über 65 Dezibel, das sind die vom Senat avisierten Grenzwerte.

Der Blick auf die Messgeräte verrät: Selbst wenn die Ampel auf Rot steht und keine Autos vorbeiwummern, werden die 65 Dezibel häufig überschritten. Dabei beeinträchtigt Verkehrslärm tagtäglich das Wohlbefinden und kann auf Dauer nachweislich zu Herzkreislauferkrankungen sowie zu Depressionen führen. Und in der Einflugschneise des Flughafens Tegel und durch den Kraftfahrzeugverkehr auf der starkbefahrenen B96 sind die Anwohner des Residenzstraßenkiezes dem Lärm besonders ausgesetzt. Der VCD wollte mit seiner Aktion darauf aufmerksam machen.

„Bei mir zu Hause geht es eigentlich“, sagt Gerd Piehl, der ebenfalls mit einer Warnweste ausgestattet und für den VCD an der Aktion beteiligt ist. „Ich wohne seit 1978 im ,Schweizer Viertel‘ in der Einflugschneise, aber da wirken die Häuser wie Eierkartons und nehmen vom Lärm viel weg.“

Was den von den Autos produzierten Lärm angeht, sagte Kölling: „Das liegt hier weniger an der Geschwindigkeit, sondern an der Menge der Fahrzeuge.“ Übrigens solle man nicht glauben, dass das Lärmproblem mit Elektroautos erledigt wäre. „Die verursachen auch Lärm durch die Abrollgeräusche der Reifen und Windverwirbelungen.“ Eine Forderung des VCD lautet deshalb: „30 km/h als Basisgeschwindigkeit in Ballungsräumen.“ Und nur an manchen Stellen könne man ja 50 km/h erlauben – also eine Umkehrung der bisherigen Praxis.

Der VCD versteht sich als ökologischer Verein. „Aber wir erheben den Anspruch auf Multimodalität, wir setzen uns für alle Fortbewegungsarten ein.“ Anders als der ADAC, die Lobby der Autofahrer, oder der ADFC, die Interessenvertretung der Radfahrer. Kölling: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Auto, aber wir sagen: Es hängt nicht alles vom Auto ab, es geht auch anders.“ Und jeder einzelne kann helfen, den Lärm zu reduzieren. Mit einer Postkartenaktion mit verschiedenen Motiven macht der VCD darauf aufmerksam. Ein Motiv zeigt ein Auto, eine rote Hupe mit Schallwellen und eine Mutter mit Kind, die von der Hupe in Schräglage gebracht werden. „Es wird viel zu viel und zu schnell gehupt – in Situationen, in denen es nicht erlaubt ist.“

Zum Flughafen Tegel hat sein Verein auch eine klare Haltung: „Der VCD Nordost fordert, dass der Beschluss zur Schließung des Flughafens Tegel beibehalten und nicht rückgängig gemacht wird. Und damit der Straßenverkehrslärm auf der Residenzstraße die vom Senat avisierten Werte tatsächlich einhält, muss auch etwas passieren.“ Dann setzt sich Christian Kölling wieder seinen Gehörschutz auf. Der nächste Jet ist im Anflug. bek

Letzte Änderung am Mittwoch, 10 Mai 2017 07:49

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